Dienstag, 20. Oktober 2015

5:48 am.

Austauschschüler werden üblicherweise vor dem 3-Monate-Tief gewarnt.
Ein Zeitraum, nachdem man sich so sehr an sein neues Leben gewöhnt hat,
dass einem die negativen Sache immer mehr ins Augen fallen,
ein Zeitraum, nachdem der Alltagstrott eingesetzt hat
und einem auffällt, wie viel besser manche Dinge doch zu Hause sind.

Gut, ich bin noch nicht mal ganz zwei Monate hier,
aber irgendwie... Hab ich das nicht.

Mir geht es hier nach wie vor fantastisch,
ich hab mittlerweile sowohl kanadische als auch internationale Freunde gefunden,
mit meiner Gastfamilie läuft auch alles super
und über mein Englisch kann ich eigentlich auch nicht klagen,
gestern waren hier Wahlen zum Prime Minister und ich hab tatsächlich jedes Wort der Reden verstanden.

Abgesehen davon hab ich hier auch beinah jeden Tag was vor,
letzte Woche war ich beispielsweise bei einem Eishockey-Spiel
und hab einen Ausflug nach Victoria, die Hauptstadt von British Columbia,
auf Vancouver Island gelegen, gemacht,
heute geh ich ins Kino und mit den Mexikanern Schwimmen
und und und.

Was das Wetter betrifft macht sich hier langsam die vancouverianische Regenzeit bemerkbar - ich muss mir dringend Gummistiefel und nen Regenschirm kaufen...
Bisher macht mir der Regen aber noch nicht so viel aus, immerhin hat man dann kein schlechtes Gewissen mehr, wenn man den ganzen Tag Filme guckt, hehe.

Außerdem hatte ich letzte und diese Woche nur 4 Tage Schule,
einmal wegen Thanksgiving und dann wegen eines BC-weiten Pro-D Days, Weiterbildungstag für Lehrer.
Ansonsten ist Schule eigentlich sehr entspannt, wobei die Projekte hier wesentlich zeitaufwendiger und gehäufter sind, als in Deutschland.
(Eine Freundin hat mir erzählt, dass im Curriculum wohl 3 Pflichtprojekte pro Semester pro Fach vorgeschrieben sind - macht mindestens 12, uff.)
Englisch gefällt mir hier wesentlich besser, weil wir weniger interpretieren müssen und der persönliche Anteil größer ist, als in Deutschland.
Mein Englischlehrer meinte gestern allen Ernstes, wir sollten die Aufgaben mit den Stilmitteln und der Erzählerperspektive doch bitte außer Acht lassen, das hätten sie noch nicht gemacht - Rebeca, die Brasilianerin, und ich haben uns nur angeguckt, weil wir beide das schon irgendwann in den vergangenen Jahren im Englischunterricht hatten, aber gut.
Psychologie ist wirklich sehr interessant, ich bin unheimlich froh, dass ich das gewählt hab,
im Gegensatz zu Spanisch, wo mich die Unterrichtsweise, aber auch meine Klasse eher weniger glücklich macht.
Ich will einfach die Sprache lernen und nicht die ganze Zeit irgendwelche dämlichen Spiele spielen oder mir bei den einfachsten grammatikalische Konstruktionen "That's SO difficult, Mr. X" anhören müssen... Naja, vielleicht bin ich da auch ein bisschen aus der Reihe.

Im Allgemeinen muss ich jetzt, nach knapp zwei Monaten Auslandserfahrung feststellen,
dass mich mein Leben hier so dermaßen in Anspruch nimmt,
dass das mit dem regelmäßigen Bloggen nicht ganz klappt
und wieder einmal kann ich mich nur dafür entschuldigen
und für die Zukunft Besserung geloben,
wohl wissend, dass das eine kleine Herausforderung wird.
Wer weiß, vielleicht kommt ja doch noch das 3-Monate-Tief und ich sitz dann den ganzen Tag zu Hause und hab nichts besseres zutun, als ausführlich über die vergangene Zeit zu berichten.

Bis dahin versuche ich, etwas häufiger was zu posten und vor allem auch Bilder zu schicken.
Wirklich.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

ja mehr Bilder bitte